Taizé
Ein Bericht von Helga Kaaf, Blankenburg

Ich bin sehr gern zu den Taizé-Andachten am letzten Freitag des Monats in die Bartholomäuskirche in Blankenburg gegangen. Diese Lieder haben mich sehr angesprochen. Mein langjähriger Wunsch war es, einmal nach Taizé zu fahren. Nun wurde er wahr. Ein Paar Tage zuvor hatte ich einen schrecklichen Albtraum und war sehr aufgeregt. Am 30. August 2014 holte mich Pfarrer Weiß um 5.45 Uhr ab. Am Georgenhof trafen wir Theresa, Studentin in Berlin und Siegmar Ebert.  Johannes Spiegel und Martin Volk verabschiedeten uns. Unterwegs kamen noch drei Frauen aus Königslutter dazu. Wir waren eine fröhliche Gruppe. Bis auf unseren Pastor war noch niemand von uns in Taizé. Taizé ist ein kleines Dorf in Frankreich in Burgund. Der Bus wurde von Theresa und Pastor Weiß gefahren. Alle 2-3 Stunden machten wir eine Pause. Später nahmen wir nochn eine junge Frau mit, die eine Mitfahrgelegenheit über das Internet gesucht hatte. Um 18 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht. Von Jugendlichen wurden wir freundlich empfangen. Wir bekamen alle eine kleine Einführung. Im Faltblatt zur Begrüßung steht:

    „ Wer nach Taizé kommt, ist eingeladen, Gemeinschaft mit Gott zu suchen: im gemeinsamen Gebet, im Singen, in der Stille, im persönlichen Nachdenken und
     in Gesprächen. Jeder ist hier, um einen Sinn fürs eigene Leben (wieder-) zu finden und Kraft zu schöpfen. In Taizé bereitet man sich auch darauf vor, zuhause Verantwortung zu
     übernehmen, um Frieden und Vertrauen zu stiften. Gastgeber in Taizé ist eine Gemeinschaft von Brüdern, die sich mit einem Ja für das ganze Leben in der Nachfolge Christi auf das gemeinsame Leben in Ehelosigkeit und Einfachheit eingelassen haben.“

Wir bekamen unser Zimmer in einer Baracke zugewiesen, wo wir zu 6 Frauen schliefen. Dann bekamen wir unser Abendessen und 20.30 Uhr war schon das Abendgebet. Ich war sehr beeindruckt von den schönen Gesängen der Brüder. In Taizé leben ca. 100 Mönche, manche sind evangelisch, andere katholisch. In der Kirche herrschte absolute Stille, wir sangen und beteten. Es waren ca. 800 Menschen anwesend, Jugendliche und Erwachsene. An diesem Tag ging ich sehr erschöpft und staunend in großer Vorfreude auf die kommende Woche ins Bett. Am anderen Morgen lag ein erquickender Schlaf hinter mir. Ich stand um 6.45 Uhr auf, duschen und ein kleiner Spaziergang ins nächste Dorf. Um 8.15 Uhr gab es das Morgengebet mit Abendmahl – danach Frühstück. Es gab ein einfaches Essen, was bekömmlich und sättigend war. Frühstück: Wir bekommen ein Tablet, darauf ein Plastebecher, 1 Stück Baguette, 1 Stück Butter, ein Stück Schokolade – oder zwei. Der Becher war für ein Getränk vorgesehen. Ich nahm löslichen Kaffee, lösliches Milchpulver und heißes Wasser – fertig war der Kaffee. Es war ein gutes Frühstück im offenen Zelt. Das Tablette nahm man auf den Schoß, was mir nicht gelang. Wir saßen auf harten Bänken und nahmen einfach eine zweite Bank, um das Frühstück abzustellen.
Um 10 Uhr gab es eine Bibelarbeit. Ein koreanischer Bruder hielt die Bibelarbeit, die sehr interessant und aufschlussreich war. Er sprach englisch, es wurde ins Deutsche übersetzt. In Taizé treffen sich Menschen aus aller Welt. Es wurde in allen Sprachen kommuniziert und die Gemeinschaft war einmalig. Nach der Bibelarbeit bildeten sich kleine Gruppen zu Gesprächskreisen. Das fand alles unter freiem Himmel statt. Wir hatten herrliches Wetter. Jeder bekam eine Aufgabe für die Woche. Ich habe mittags gespühlt, Pfarrer Weiß hat abends Essen ausgeteilt. Wir gingen dreimal am Tag in die Kirche zum Singen und Beten. Die Gesänge wurden öfter wiederholt. Es wur4de in vielen Sprachen gesungen und man fand eine Einheit, einen Gleichklang, der wunderschön war. Von den Brüdern gab es Vorsänger, was wir alle wiederholten. Es wurde auch viel in Deutsch gesungen. Ich merktwe bald, dass hier in Taizé eine ander Atmosphäre herscht; die Gesänge gingen mir unter die Haut. Wir waren Schwestern und Brüder aus aller Welt, vereint in Christus. Hier war Frieden und der Heilige Geist war unter uns. Es war jeden Tag Pfingsten und ich genoss jeden Tag. Der Höhepunkt der Woche war das Gebet unter dem Kreuz. Die Brüder legten das Taizé-Kreuz um, so dass man kniend und die Stirn auf dem Kreuz – betend verharrte. Jeder konnte, wer wollte, seine Lasten und Probleme dort abgeben. Es wurde von Jugendlichen sehr angenommen, natürlich auch von Erwachsenen. Dieses Abendgebet hat sehr lange gedauert.
Am letzten Abend gab es ein Lichterfest. Jeder bekam eine Kerze und wir sangen die schönen Lieder. Es wurde gebetet, Psalmen wurden gelesen und es gab eine Zeit der Stille. Die Kerzen gingen von alleine aus. Unsere Woche, die voll gefüllt war mit Gemeinschaft mit Menschen aus aller Welt, ging zu Ende. Ein klein wenig Wehmut lag dahinter. Was hat mir die Woche gebracht? Wir haben viel vom Teilen, von Nächstenliebe, von Heilung und Vergebung gehört. Unsere schöne Woche ging zu Ende – wir waren zu Freunden geworden. Der Abschied viel mir ein bisschen schwer. Taizé ist ein ganz besonderer Ort, der 1000 km entfernt ist, aber es lohnt sich dorthin zu fahren. Von Taizé geht viel Liebe aus. Ich werde noch lange zehren von dieser Reise. Es war eine gesegnete Zeit. Mein Albtraum war eben nur ein Albtraum. Das Leben ist auch ein Abenteuer. Das Leben ist nicht nur Essen, Trinken und Schlafen.
Am 7. September starteten wir unsere Heimfahrt um 6.45 Uhr, alle glücklich und zufrieden.      

Wie sieht nun mein Alltag aus? Da sitzt ein Bettler vor Aldi. Ich frage ihn, ob er schon etwas gegessen hat. Ich zeigte ihm das Brot, das ich gekauft hatte und fragte, ob er das haben möchte. Seine Augen leuchteten wie zwei Sterne vor Freude. Ich traf eine bekannte Frau, die sehr traurig aussah; sie hatte vor 10 Monaten ihren Mann verloren. Ihr Schmerz war groß. Ich nahm sie einfach in den Arm. Heute früh klingelte ein Nachbar, der sich den Finger verletzt hat. Schnell fuhr ich ihn nach Halberstadt zum Arzt. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie wir uns einbringen können.